Ladri di bicicletti

Fahrraddiebe

Ist vom französischen poetischen Realismus die Rede, wird Marcel Carnés "Kinder des Olymp" genannt. Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" ist der Inbegriff der russischen ideologischen Montage. Für den italienischen Neorealismus steht Vittorio de Sicas "Ladri di biciclette". Alle drei Filme sind immer im Spiel, wenn es um die besten zehn Filme aller Zeiten geht.

Vittorio de Sica bereitete mit "Fahrraddiebe" vor '53 dem italienischen Neorealismus den Weg. Beinahe dokumentarisch verfilmte de Sica den Konflikt des Arbeitslosen Antonio Ricchi, dem sein Fahrrad und damit seine Existenzgrundlage als Plakatkleber gestohlen wird. Zusammen mit seinem kleinen Sohn durchstreift er Rom, um die Diebe zu stellen. Die Suche Antonios nach seinem Fahrrad bot de Sica die Möglichkeit, eine Fülle von Schauplätzen und Situationen in die Handlung einzubauen, so entstand zwanglos ein breites Panorama italienischer Wirklichkeit nach dem 2. Weltkrieg. Während Rossellinis "Rom - offene Stadt", der zweite große Film aus den Anfangsjahren des italienischen Neorealismus, den Zusammenbruch des Faschismus und die Befreiung Italiens im Stil einer Chronik zeigt, beschreibt de Sica die Verhältnisse anhand eines Einzelschicksals. Die einfache Story genügt der Definition einer klassischen griechischen Tragödie, ihre einfühlsame filmische Umsetzung sorgte damals für Furore und ist heute noch ein anerkanntes Meisterwerk.

AH
Info
Ladri di bicicletti Italien 1948, 88 min
R Vittorio de Sica
B Cesare Zavattini
K Carlo Montuori
M Alessandro Cicognini
D Lamberto Moggiorani, Enzo Stoiola, Lianella Carell, Gino Saltamarenda, Giulio Chiari, Vittorio Antonucci