Wanderfuru Raifu

After Life

Auch wenns schwer fällt, stellt Euch vor, das Leben nach dem Tod beginnt an einem Montag Morgen (nein, das ist nicht die Hölle). Ihr kommt in einem schlichten fast schon schäbigen Verwaltungsgebäude an, wo verbindlich wirkende Angestellte Euch freundlich und hilfsbereit (nein, Ihr seid nicht im Himmel!) auffordern, bis Mittwoch die wichtigste Erinnerung Eures soeben beendeten Lebens auszusuchen. Ab Donnerstag beginnen dann die Arbeiten, diese besonderen Erinnerungen bis Samstag im hauseigenen Produktionsstudio zu verfilmen, um Euch dann mit dem Eindruck der sonntäglichen Vorführung als einzig verbleibendem Gedächtnisinhalt in die Ewigkeit zu entlassen.
Ohne jeglichen Anflug von Akte-X artiger Mystery oder sich ereifernder Esoterik stellt uns der Film vor eine Menge Fragen, auf deren Beantwortung er zwar hinarbeitet aber keinen dogmatischen Anspruch erhebt. Durch seine gekonnte Inszenierung und durchdachte Bildgestaltung schafft es der Regisseur trotz der sachlichen Umgebung eine dem eigenen Nachdenken sehr zuträgliche Stimmung gelassener Entrücktheit aufkommen zu lassen, so dass der Film immer besser werden kann, je mehr wir uns als Zuschauer darauf einlassen, dieser Einladung zur Kontemplation (aktiv) zu folgen und parallel zur (Film-)Handlung den Charakter und die Inhalte unserer eigenen Erinnerungen zu reflektieren.
Als der Film im Sommer 2000 im Rahmen des 14 Fantasy Filmfestivals im Programm auftauchte, gab es gleich mehrere freudige Überraschungen. Erstens, daß er überhaupt seinen Weg nach Deutschland fand; zweitens , daß das gerade beim FFF passierte, wo der Film doch so ganz und gar nicht fantastisch, ja nicht einmal spektakulär (im trivialen Sinne), geschweige denn reißerisch sein mag; drittens, daß der Filmkreis ihn zur Sichtung ausgeschrieben hatte und sich viertens sogar ein paar andere Mitglieder außer mir dafür interessierten, so daß ich ihn bei der Programmsitzung nicht allein "promoten" mußte.

"Overwhelming... A quiet storm of a film that shakes our understanding of life at its very core." (Toronto Film Festival)

"Was wie eine spiritistische Meditation oder ein philosophisches Traktat klingt, ist eine ungezwungene, gleichwohl intensive Konfrontation mit letzten Fragen." (epd film)

"The director of the multi-prize winning MABOROSHI has created another serious, moving and beautifully crafted film." (International Herald Tribune)

" ..., lässt den Film zu einer der zärtlichsten Liebeserklärungen an das Kino werden." (filmdienst)

"AFTER LIFE beeindruckt wegen seiner Vielschichtigkeit, die sich aus dieser Grundidee wie von selbst entwickelt..." (Schnitt)

MS
Info
Wanderfuru Raifu Japan 1998, 120 min
R Hirokazu Kore-eda
B Hirokazu Kore-eda
K Yutaka Yamazaki, Masayoshi Sukita
M Yasuhiro Kasamatsu
D Arata (Takashi Moshizuki), Erika Oda (Shiori Satonaka), Susumu Terajima (Ichiro Watanabe), Kyoko Kagawa (Kyoko Watanabe), Kei Tani (Ken-nosuke Nakamura), Takashi Naito (Takuro Sugie)