Hunger

Hunger

Der britische Künstler Steve McQueen gilt als Meister der visuellen Kunst. 1999 gewann er den Turner-Preis, 2009 vertrat er Großbritannien bei der Kunstbiennale in Venedig, auch auf der dOCUMENTA waren öfters Werke von ihm zu sehen. Als bekannt wurde, dass er sein Kinofilmdebüt drehen würde, gab es viele Skeptiker - schon viele Künstler sind daran gescheitert, ihr Können in der Bildgestaltung auf die Länge eines Kinofilms zu übertragen und diesen auch inhaltlich zu füllen. Bei Steve McQueen wurden die Zweifel nicht bestätigt: Sein bei dem Filmfestspielen Cannes mit dem Preis für das beste Erstlingswerk ausgezeichnetes Meisterwerk "Hunger" ist sowohl visuell und formal schlicht genial, mit grandiosen CinemaScope-Bildern und beeindruckenden Kamerafahrten. Ebenso begeistert der Film durch seine Erzählung und reißt das Publikum mit: Im berüchtigten H-Block des Maze Gefängnisses in Nordirland streiken seit Wochen die Häftlinge um ihre Anerkennung als politische Gefangene. Sie waschen sich nicht mehr und statt Gefängniskleidung tragen sie nur noch Decken. Sowohl für das Wachpersonal, wie für die Insassen ist das Gefängnis dadurch zu einer Hölle geworden; die Behandlung der Häftlinge durch das Gefängnispersonal wird immer grauenvoller. Schließlich treten die Gefangenen in den Hungerstreik. Die unglaublich starken Filmbilder ersparen den Zuschauern wenig. Blutverschmierte Gesichter, Zwangsernährung, Gewalt, Erschöpfung: "Hunger" ist eine zutiefst beeindruckende Anklage gegen Missstände in Gefängnissen aller Zeiten und aller Orte. Diesen emotional wie auf intellektueller Ebene absolut packenden Film wird man so schnell nicht wieder vergessen! Anfang des Jahres kam Steve McQueens zweiter Film "Shame" in die deutschen Kinos, den wir Euch in 14 Tagen ebenfalls im Rex-Programm zeigen. In beiden Filmen begeistert Michael Fassbender in der Hauptrolle. 

LM
Info
UK, Irland 2008, 96 min
R Steve McQueen
B Steve McQueen, Enda Walsh
K Sean Bobbitt
M Leo Abrahams, David Holmes
D Michael Fassbender, Stuart Graham, Liam McMahon, Liam Cunningham