Tepenin Ardi

Beyond the Hill

In Anwesenheit von Regisseur Emin Alper mit anschließendem Publikumsgespräch

Der älteste und wichtigste Preis, der im Forum der Berlinale vergeben wird, ist der Caligari Filmpreis. Vergeben wird er vom Bundesverband der kommunalen Filmarbeit, neben zwei Vertretern aus Kommunalen Kinos ist ein Vertreter der Zeitschrift "Filmdienst", die den Preis unterstützt, in der Jury. Unter den Preisträgern früherer Jahre sind Werke wie "Shoah", "Love Exposure", "Satanstango", "Die zweite Hälfte der Nacht"; Regisseure wie Brillante Mendoza oder Nuri Bilge Ceylan wurden hier entdeckt. Nach dessen Film "Kasaba" 1998 hat nun zum zweiten Mal ein beeindruckendes Erstlingswerk eines jungen türkischen Filmemachers den Caligaripreis gewonnen - man darf gespannt sein, ob Emin Alper eine ähnlich beeindruckende Karriere vor sich hat wie Nuri Bilge Ceylan. Wir freuen uns sehr, den Regisseur zu diesem Termin im Rex zum Publikumsgespräch begrüßen zu können. Die Begründung der diesjährigen Caligari-Jury für die Auszeichnung lautet:

"Ein Western aus der Türkei von heute!
Ein Vater, zwei Söhne, drei Enkel – eine Männergesellschaft, aus drei Generationen, lauter inglourious basterds, irgendwo in der Türkei. Man lebt eins mit der Natur, mit den Tieren, zwischen Fluss und Wäldern, inmitten einer atemberaubend schönen, wilden Berglandschaft, und mit “den Anderen”, den Feinden hinter den Bergen.
Im Laufe einer Geschichte, die sehr ruhig und konzentriert beginnt, und immer schneller und dichter wird, wechselt unsere Blickrichtung immer wieder. In Großaufnahmen lernen wir die einzelnen Personen als Individuen, als Menschen in ihrer Würde kennen. Wir werden dann auch Zeugen einer Familienaufstellung mit filmischen Mitteln, die die inneren Risse, die Dynamik und Spannung dieser drei Generationen aufzeigt. Dann wieder sehen wir Soldaten, uniformierte Besucher, die – wie Aliens aus einem anderen Universum -, durch die Berge streifen. Schließlich wirkt die Kamera selbst wie ein Besucher aus einer anderen Welt, wie ein Voyeur, der durch die Büsche, versteckt, von außen dem Treiben zusieht.
In seinem allerersten Film ist Emin Alper ein unerhört reifes Werk geglückt, das echtes Kino ist und unbedingt die große Leinwand verdient. Alper entfaltet einen Strudel voller Bezüge und unter der Oberfläche lauernder Konflikte. “Tepenin Ardı” fragt danach, was den Mann zum Mann macht: Die Frau? Die Waffe in der Hand? Das Stück Land unter den Füßen? Die Feinde? Er zeigt den Zusammenprall von Tradition und Moderne, von Stadt und Land, guten Sitten und Amoral, Träumen und Wirklichkeit, osmanisch-imperialer Vergangenheit und republikanischer Zukunft, und in alldem einen Mikrokosmos der türkischen Gegenwartsgesellschaft. Und er zeigt das “Andere”.
Ein Film über die Macht der Väter, die Macht des Schicksal, die Macht der Paranoia – inszeniert voller Schönheitssinn, Dramatik, großer surrealer phantastischer Momente, mit soziologischem Blick, Sinn für Irrsinn und ironischem Humor.
Eine Einladung an alle engagierten Kinokuratoren, die zahlreichen Facetten dieses Films zu entfalten, ästhetische wie gesellschaftliche Bezüge für den Zuschauer erlebbar zu machen."

AH
Info
Tepenin Ardi Türkei / Griechenland 2012, 94 min
R Emin Alper
B Emin Alper
K George Chiper-Lillemark
D Tamer Levent, Reha Özcan, Mehmet Özgur, Berk Hakman, Furkan Berk Kuran, Banu Fotocan, Sercan Gümüs, Sevval Kuc