Démanty noci

Diamanten der Nacht

Programmheft SoSe 1965:

Der Film spielt in den Tagen des Zweiten Weltkrieges. Aus einem fahrenden Zug mit einem jüdischen Häftlingstransport springen zwei junge Burschen. Zwei Namenlose. Nennen wir sie »der Erste« und »der Zweite«. Die Wachmannschaften feuern ihnen nach, aber es gelingt den beiden trotzdem zu entkommen. Unter Aufbietung ihrer letzten Kräfte erreichen sie einen nahen Wald. Völlig erschöpft von Müdigkeit und Schmerz drohen sie bei jedem Schritt niederzusinken‚ aber die Angst treibt sie vorwärts.

So schleppen sie sich zwei Tage weiter, bis sie zu einer Futterkrippe für Hochwild kommen. Dort wollen sie die Nacht verbringen. Bald treibt sie Hunger und Kälte weiter.
Die fieberhafte Sehnsucht nach der Heimat ist jedoch stärker als alle Müdigkeit. Sie setzen ihre Flucht fort.

Am nächsten Morgen beobachten sie, am Waldrand im Gebüsch verborgen, eine Frau, die für ihren auf einem nahen Feld arbeitenden Mann das Essen trägt. Sie schleichen ihr auf ihrem Heimweg in ein einsames Gehöft nach. Dann ziehen sie das Los, welcher von ihnen ihr folgen soll, um sie um Essen zu bitten. Später soll er sie erschlagen. Das Los fällt auf den Zweiten. Er bekommt etwas Essen, bringt aber nicht den Mut auf zu töten. Die beiden Flüchtlinge würgen nur mit Mühe herunter, was ihnen die Frau gab. Hastig gesättigt, machen sie sich, verzweifelt und todmüde, wie sie sind, auf den Weg. Kaum sind sie fort, da läuft die Frau bereits zum Schulzen, um sie anzuzeigen. Die beiden Flüchtlinge kommen nicht weit. Völlig erschöpft und unfähig,weiter zu fliehen, werden sie von einer Gruppe bewaffneter alter Männer aufgegriffen und zum Dorfschulzen geschleppt.

Während die Alten gröhlend ihren Sieg feiern, kauern die beiden Jungen in einem Winkel und warten, was nun mit ihnen geschehen soll. Schließlich läßt man sie laufen, nach dem man sich noch damit unterhalten hat, mit den Flinten auf die sich Weiterschleppenden zu zielen, als wollte man ihnen eine Kugel nachschicken. — Und beseelt von der Hoffnung, die Heimat zu erreichen, schleppen sich die beiden weiter.

Zur Realisation des Stoffes sei bemerkt, daß es das Bestreben des Regisseurs war, die Handlung von allem anekdotischen Beiwerk zu befreien. Daß aus dem Transportzug auf die Fliehenden geschossen wird, hört man nur. Nemec wählt auf der Folge von Geschehnissen wenige aus, die, »aufgezählt«, in einem Aktionsfilm nur Minuten erfordern würden, Flucht durch den Wald, das Besorgen von Nahrung, die Verfolgung durch den Volkssturm, Gefangenschaft und Entlassung. Er inszeniert jeden der Vorgänge als Nummer, nicht als bloßes Glied der Handlung. Das ergibt eine Struktur, die das absolute Gegenteil des Aktionsfilms darstellt. In »Diamanten der Nacht« werden die Vorgänge auf die Seite reduziert, die ihre psychische Bedeutung für die Helden ausdrücken. Das ergibt einen im technischen Sinn psychologischen Film, keinen von denen, wo zuckende Schauspielergesichter falsche Emotionen zur Welt bringen.

Info
Démanty noci 1964, 63 min
R Jan Nemec
Vorstellungen