United93

Flug 93

Von den vier am 9 September 2001 entführten Flugzeugen erreichte eines nicht das von den Terroristen gewählte Ziel.

Es musste wohl sein. So wie nach Aktenlage die Ereignisse um United Airlines Flug 93 verlaufen sind, war es wohl unvermeidlich, daß es eine Verfilmung geben würde. Die Frage war nur, wer sie wann machen und wie sie ausfallen könnte. Nun, es sind noch andere Dinge denkbar, aber eigentlich ist der vorliegende Film die beste weil beinahe einzige vertretbare Möglichkeit, sich dem Stoff zu nähern.

Nach den Aufzeichnungen des Voicerecorders aus dem Cockpit und der von Bord geführten Telefonate, sowie den Ergebnissen des später eingesetzten Untersuchungsausschusses entstand ein chronikartiges Gerüst, das nur noch wenig Raum für eine kreative Erzählung im herkömmlichen Sinne gelassen hätte. Wohlweislich wurde gar nicht erst der Versuch unternommen, eine Film-Geschichte daraus zu machen.

Ohne die Aufmerksamkeit durch Stars zu lenken und mit vielen damals Beteiligten, bzw. in gleicher Funktion tätigen Personen entstand eine ohne dramaturgische Nachhilfe auskommende filmische Rekonstruktion, die deswegen aber nichts von der den Ereignissen in der Luft und am Boden innewohnenden Dynamik unterschlägt. Wie in seinem preisgekrönten ,Bloody Sunday‘, der ein politisch nicht weniger heikles und für Irland wichtiges wie traumatisches Ereignis darstellt, vermag es Paul Greengras den Dingen ihren Lauf zu lassen und die Faktenlücken bei seiner Visualisierung nicht mit reißerischen Spekulationen zu verschleiern. Er widersteht auch der Versuchung die Handlungen mit patriotischem oder fanatisch religiösem Pathos aufzuladen, sondern zeigt in fast dokumentarisch abgeklärtem Stil ohne moralische Wertungen abzugeben. Was bleibt ist der nackte Wahnsinn und das ganze Leben. Gerade durch den Verzicht auf all das, was sonst viel zu oft bei „auf wahren Begebenheiten“ beruhenden Projekten an stilisierender Gestaltung aufgefahren wird, kommen die Emotionen unmittelbar rüber; alle Emotionen, ohne Ausweichmöglichkeit.


„Eine schnörkelloses und umso intensiveres Meisterwerk, das lange nachwirkt - und zwar in der Magengrube.“ (Cinema)

„Nahezu einhellig gelobt wurde ,Flug 93’, weil der Film die für Hollywood typischen Klischees des Katastrophenfilms meidet.“ (epd film)

„Er hat ein filmisches Mahnmal geschaffen, das dank seiner moralischen Enthaltsamkeit eine Projektionsfläche für die trauernde amerikanische Nation bietet und als solche auch angenommen wird.“ (filmdienst)

„Die dokumentarisch distanzierte Darstellung bildet keine Identifikationsfigur aus, und entsprechend verzichtet der Film auch auf Starbesetzung:“ (epd film)

„Gradlinig und hochemotional – und das ohne Pathos.“ (Cinema)

MS
Info
United93 USA/F/GB 2006, 111 min
R Paul Greengras
B Paul Greengras
K Barry Ackroyd
M John Powell
D David Alan Basche (Todd Beamer), JJ Johnson (Captain Jason Dahl)