Édouard et Caroline

Mittwoch, 10.11.1965 21:00  ! Köhlersaal
21:00
Édouard et Caroline

Programmheft WS 1965/1966:

»Ich glaube an die Möglichkeit, die Freundschaft zu pflegen, an die Schwierigkeit, die Liebe zu erhalten. Und ich glaube vor allem an Paris. In meinen Werken will ich nichts beweisen, es sei denn, daß das Leben stärker ist als alles andere.«

Diese Sätze von Jacques Becker könnte man als sein Glaubensbekenntnis bezeichnen. Immer wieder nimmt er Themen aus dem Leben der kleinen Leute. Hier hat er ein Künstlerehepaar vor der Kamera. Er macht die versnobte High Society zur Zielscheibe seines Spottes. Mit geschickter Ironie charakterisiert er die sich so wichtig vorkommende Gesellschaft, wird gleichermaßen zu einem Karikaturisten mit der Kamera. Er vereinigt Ausgelassenheit und Zurückhaltung, Komik, Parodie und ernstere Töne und erweist sich als ein Künstler der Nuance, der es versteht, pikant ohne anzüglich erotisch frivol und witzig ohne aufdringlich-humorig zu sein. Hier zeigt sich: Auch Kunst kann herrlich unterhaltend sein, frisch und unkompliziert.


Programmheft WS 1959/1960:

Im Mittelpunkt der Handlung, die an einem einzigen Abend und nur in der kleinen Wohnung des jungen Künstler-Ehepaares und in der großen des reichen Onkels spielt, stehen Edouard, der junge Pianist, und Caroline‚ seine bezaubernde junge Frau. Er liebt sie und sie liebt ihn. Er soll vorspielen und vermißt seine Frackweste‚ die sie offenbar an einen Lumpenhändler veräußert hat. Sie hat mit rascher Hand und spitzer Schere ihr Abendkleid „modernisiert”, was ihn zu melancholischen Wutausbrüchen veranlaßt. Sie ist böse, er ist böse. Sie will sich scheiden lassen, er will sich scheiden lassen. Aber siehe da: Er läuft aus der feinen Gesellschaft, in der er eben „gemanagt” werden soll, fort, läßt seine große Chance im Stich, weil ihm das Glück seiner Ehe wichtiger ist. Kuß! Und alles ist wieder gut! Also: — ein Nichts von Inhalt. Aber — wie gemacht! „Becker hüllt die belanglosen Vorgänge in graziöse Heiterkeit. Man spürt die leichte Hand eines Regisseurs, der die Skala des Humors virtuos beherrscht, der die Kunst der Parodie fein abgestuft nuanciert und Pikanterien mit einem verschmitzten Augenzwinkern serviert.” Und: „Fast möchte man sich damit begnügen zu sagen, daß dieser Film einer der liebenswürdigsten und bezauberndsten sei, die je aus Frankreich zu uns gekommen sind”, urteilen die Kritiker.

Vorfilm : Der Flickenball (Tschech. Puppenfilm)

Info

1951, 88 min
R Jacques Becker
D Daniel Gélin, Anne Vernon, Elina Labourdette, Jacques François, Betty Stockfeld