Der Große Bluff

Mittwoch, 23.10.1968 21:00  ! Köhlersaal
21:00
Der Große Bluff

Programmheft WS 1968/1969:

Es wäre doppelt geschmeichelt, Bottle-Neck eine Stadt im Westen Amerikas zu nennen. Denn was sich so nennt, ist eine Ansammlung von Holzbuden, von Pferden und Halunken. Und was den Westen betrifft — hier ist das Beiwort „wild“ bestimmt unvermeidlich. Dafür sorgt allein schon Kent mit seinen Spießgesellen. Kent, das ist ein smarter, ein allzu smarter Bursche, der praktisch alle in Bottle-Neck nach seiner Pfeife tanzen läßt. Er spielt nicht nur mit Karten und mit Würfeln, sondern genauso eiskalt auch mit Menschenleben. Und Frenchy hilft ihm dabei.

Frenchy muß man gesehen haben! Sie ist wie Dynamit, die kesse Blondine. Im Salon, an der Bartheke und am Spieltisch hört alles, was Hosen anhat‚ nur auf ihr Kommando. Und wenn sie erst ihre frechen Chansons singt, dann werden die rauhen Gesellen verrückt — und Kent kann sie um so leichter übers Ohr hauen. So wie jetzt beim Handel mit Lem Claggett, dem er mit ein paar gemeinen Tricks seine Ranch abgaunert, um den anderen Viehzüchtern für den Durchzug ihrer Herden künftig hohes Wegegeld abzuverlangen. Und natürlich ist Frenchy dabei nicht unbeteiligt. Als sich der Sheriff einmischt, wird er von Kents Leuten erschossen. Zu seinem Nachfolger Iäßt der scheinbar allmächtige Kent den notorischen Trunkenbold Dinsdale bestimmen. Doch er täuscht sich, wenn er geglaubt hat, in dem Alten ein gefügiges Werkzeug für seine dunklen Machenschaften zu haben. Denn Dinsdale wird zur größten Verblüffung aller plötzlich unangenehm nüchtern. Und er sieht ganz klar, daß er allein mit dem Gesindel hier in Bottle-Neck nicht fertig werden kann. So holt er als Hilfs-Sheriff den Sohn eines alten Freundes, Thomas-Jefferson Destry jr., in die kleine Stadt an der Grenze...

Der „Evangelische Film-Beobachter“ schreibt unter anderem: „Wenn Marlene mit den Wimpern klimpert und mit verworfener Stimme im gräßlichsten Kauderwelsch dem Publikum ihre Liedchen vorträllert, um sich gleich darauf an einer Amazonenschlacht zu beteiligen, dann wieder ihre Beine ins rechte Licht zu rücken, wenn ein (damals) junger und noch nicht zum Typus abgestempelter Schauspieler (James Stewart) auf den ersten Sprossen seines Ruhmes steht und seine Rolle mit echtem Leben erfüllt, wenn ein schmissiges Drehbuch für Spannung und Erheiterung sorgt und wenn ein Regisseur dies alles mit einem kraftstrotzenden Milieu umgibt, dann gibt es Beifall auf offener Szene. Warum? Weil hier echte Atmosphäre geschaffen wurde, weil man noch den Mut zum Experiment hatte, weil hier gearbeitet, gestaltet wurde, weil man sich noch nicht in der öden Einbahnstraße der Serienproduktion befand.“

Info
Destry Rides Again
Vereinigte Staaten 1939, 94 min
R George Marshall
B Gertrude Purcell, Henry Myers, Felix Jackson
K Hal Mohr
M Frank Skinner
D James Stewart, Marlene Dietrich, Mischa Auer, Charles Winninger, Brian Donlevy, Allen Jenkins, Warren Hymer, Irene Hervey, Una Merkel, Billy Gilbert, Samuel S. Hinds, Jack Carson, Tom Fadden, Virginia Brissac, Edmund MacDonald