Taxandria | Dark | Das Cabinet des Dr. Caligari

Aktionstag des Bundesverband kommunale Filmarbeit

Samstag, 31.10.1998 22:00  ! Audimax
17:30
Taxandria

Ein Prinz fährt mit seinem Lehrer ans Meer, um Urlaub zu machen. Der rätselhafte Leuchtturmwärter (Armin Mueller-Stahl) zeigt ihm eine andere Welt: Taxandria, ein surrealistisches Land ewiger Gegenwart, ohne Fortschritt, ohne Neugier, ohne Liebe, geführt von einem diktatorischen Staatsminister (Armin Mueller-Stahl). Der Versuch, die Dinge zu ändern, wird zu einem fast einsamen Kampf gegen übermächtige Gefahren.

Eine einzigartige Kombination aus expressionistischer Animation und realen Schauspielern, in acht Jahren mit tricktechnischer Perfektion geschaffen. Obwohl der Film zu den technisch aufwendigsten Produktionen Europas gehört, mit überwältigenden Bildern begeistert und bei den bisherigen Vorführungen - u.a. Fantasy-Filmfest 1996 - großen Anklang beim Publikum fand, wagte sich bislang kein Filmverleih an dieses aus dem Rahmen fallende Werk. Um so mehr freut es uns, daß wir die Möglichkeit haben, Euch diesen Film im AudimaxX präsentieren zu können!

CZ
Info
Stummfilm
Belgien/Deutschland/Frankreich 1994
20:00
Dark

Ein ganz normaler Schultag. Drei Schüler einer Abschlussklasse müssen eine Klausur nachschreiben. Als sie abgeben wollen, ist der Lehrer verschwunden. Als sie durch das Fenster nach draußen schauen, ist das Licht verschwunden. Als sie das Gebäude verlassen wollen, lassen sich die Türen nicht mehr öffnen. Und das ist erst der Anfang einer Reihe unerklärlicher Ereignisse...

Was hier von Nachwuchsfilmern als Erstlingswerk (wenn man mal die Kurzfilme nicht zählt) in Eigenproduktion mit geringstem Budget geschaffen wurde, braucht keinen Vergleich mit großen Produktionen zu scheuen: ein Schul-Fantasy-Horror-Thriller mit einer großer Anzahl surrealer Einfälle und starken Bildern, der leider trotz des großen Erfolgs beim diesjährigen Fantasy-Filmfest und beim 22.Open Air Filmfest Weiterstadt bislang noch keinen Kino-Verleih gefunden hat. Bleibt zu hoffen, daß ihm das bei seiner weiteren Festival-Tournee gelingt, als nächstes steht Exground in Wiesbaden auf dem Programm...

Info
Stummfilm
Deutschland 1998, 100 min
R Philipp Stennert, Jakob Ziemnicki
B Philipp Stennert, Jakob Ziemnicki
K Dirk Meier, Philipp Stennert und Jakob Ziemnicki
M Felix Dames, Florian Goebels
D Lutz van der Horst, Carolin Conrad, Martin Klempnow, Jochen Bentz, Steffen Bohn
22:00
Das Cabinet des Dr. Caligari

„Robert Wienes ‚Das Cabinet des Dr. Caligari‘ ist einer der berühmtesten Stummfilme der Filmgeschichte. Er ist nicht nur einer der frühesten Meilensteine des Horrorkinos, sondern war zudem stilbildend für die Entwicklung des expressionistischen Films. Die gemalten, in verzerrten Perspektiven angelegten Dekors, entworfen von Malern der Künstlergruppe ‚Der Sturm‘, visualisieren das Seelenleben der Figuren und tragen entscheidend zur beängstigenden, alptraumhaften Atmosphäre des Films bei. Von einigen Filmhistorikern wird ‚Das Cabinet des Dr. Caligari‘ auch als wichtiges Zeitdokument betrachtet: als Sinnbild einer instabilen Gesellschaft, die durch unheilvolles Wirken autoritärer Mächte gänzlich aus den Fugen zu geraten droht.“ (DIF)

Wie es sich gehört, zeigen wir Euch diesen Stummfilm mit Live-Klavierbegleitung.

MH


Programmheft WS 1960/1961:

Dieser wohl immer noch bedeutendste Beitrag Deutschlands zur Filmgeschichte wurde in Brüssel als einer der zwölf besten Filme aller Zeiten ausgezeichnet. Er ist nicht nur der Prototyp, sondern auch das unvergeßliche Ideal des expressionistischen Films.
Der Expressionismus, eine um 1910 in München als Reaktion gegen den Naturalismus und die „atomische Verstückelung des Impressionismus" gegründete Avantgardebewegung, forderte, man müsse die „expressivste Expression" eines Objekts bloßlegen. Béla Balazs interpretiert diese etwas dunklen Forderungen in seinem Buch „Der sichtbare Mensch": Man kann ein Objekt stilisieren, in dem man seine „Iatente Physignomie" heraushebt und besonders akzentuiert. In dieser Weise kann man seine sichtbare Aura durchdringen. Die beiden jungen Drehbuchautoren, der Österreicher Carl Mayer und der Tscheche Hans Janowitz, vereinten in ihrem Manuskript ihre persönlichen Erinnerungen. Carl Mayer, vielleicht die stärkste Persönlichkeit des deutschen Stummfilms, Sohn eines durch das Spiel ruinierten Kaufmannes und nacheinander fliegender Händler, Chorsänger, Blitzzeichner und Schauspieler, hatte als Soldat die unangenehme Bekanntschaft eines Psychiaters gemacht. Janowitz, als überzeugter Pazifist aus dem Krieg zurückgekehrt, hatte eine tiefe Abneigung gegen jede absolute Gewalt.
„Unter ihren Händen wurde diese Schauergeschichte im Stil E. T. A. Hoffmanns zu einem ausgesprochen revolutionären Stoff. Beide wollten, wie Janowitz später zu verstehen gab, halb unbewußt die Allmacht einer Staatsgewalt anprangern, die durch Militärdienstpflicht und Kriegserklärungen über Leben und Tod ihrer Untertanen verfügt." (Siegfried Kracauer „Von Caligari bis HitIer")

Die Allmacht wird im Film symbolisiert durch den Direktor einer Irrenanstalt, der den Schlafwandler Cesare hypnotisiert hat. Als Dr. Caligari führt er ihn auf Jahrmärkten vor und zwingt ihn, in der Nacht entsetzliche Morde zu begehen‚ Cesare stirbt schließlich vor Erschöpfung und Caligari wird entlarvt und als Irrer interniert. Der Produzent Pommer erwarb das Manuskript nicht zuletzt, weil er sah, daß hier ein verhältnismäßig billiger Film hergestellt werden konnte. Er dachte an Fritz Lang als Regisseur, der aber noch an seiner Filmserie „Die Spinnen" arbeitete, und so wurde Dr. Robert Wiene herangezogen. Dieser gab einer Anregung von Fritz Lang folgend dem Film eine Rahmenhandlung, durch die das real gedachte Geschehen zur Phantasie eines Wahnsinnigen herabgemindert wurde — ein Eingriff, gegen den beide Autoren heftig protestierten. Aber niemand kümmerte sich darum. „So wurde ein revolutionärer Filmstoff in einen konformistischen verkehrt — in Befolgung etwa eines häufig angewandten Mittels, das darin besteht, eine geistig gesunde, aber lästige Person für geisteskrank zu erklären und ins Irrenhaus abzuschieben."

(S. Kracauer)

„Immerhin sind die eindrucksvollen Dekors für den Stil dieses Films, dem bereits Carl Mayers Kunst das Gepräge des Außerordentlichen gegeben hatte, bestimmend geworden —, und zwar weit mehr als die Regie von Robert Wienel" (L.Eisner). Hermann Warm, einer der Architekten, erklärte: „Das Filmbild muß Graphik werden." Die absolute Verzerrung, die synthetische Abstraktion des Dekors diktierte eine Stilisierung des Spiels der Darsteller, die Werner Krauß, der diabolische Dr. CaIigari‚ und Conrad Veidt in der Rolle des unheimlichen Somnambulen durch die Konzentration ihrer Physiognomie und die Verhaltenheit ihres Körperausdrucks erreichten.
„Es ist der Rhythmus, der Caligari seine Eindringlichkeit verleiht. Zuerst ist er äußerst langsam, ja geradezu mit Absicht umständlich, es wird der Versuch gemacht, die Erwartungen auf die Folter zu spannen. Dann, wenn sich das vage Getriebe des Jahrmarktes zu drehen beginnt, wird das Tempo beschwingt, die Handlung konzentriert sich, beschleunigt sich, reißt mit, das Wort ,Ende' überrascht uns wie eine Ohrfeige.”

(Louis Delluc in „Cinéa", Paris 1922)


Programmheft WS 1956/1957:

Kurz nach dem ersten Weltkrieg wurde der Expressionismus als neue Kunstgattung im Kampf gegen Naturalismus und Impressionismus große Mode. Gemeinsam mit dem Dichter K. Meyer schrieb der Tscheche H. Janowitz das Manuskript zu Caligari, Erich Pommer, der leitende Mann der Decla-Bioscop, erwarb es nicht zuletzt, weil er sah, daß hier ein verhältnismäßig billiger Film hergestellt werden konnte. Pommer dachte an F. Lang als Regisseur; dieser arbeitete aber immer noch an seiner Filmserie Die Spinnen, und so wurde Dr. R. Wiene herangezogen. Zum Entsetzen der Autoren gab dieser dem Film eine Rahmenhandlung, durch die das real gedachte Geschehen zur Phantasie eines Wahnsinnigen wurde. Für die expressionistischen Dekors brachte Janowitz den Maler und Graphiker Alfred Kubin in Vorschlag; Wiene zog aber den flächenhaften Expressionismus der Künstler Reimann, Roehrig und Warm vor. Caligari sollte der einzig gelungene Versuch bleiben, den Expressionismus in den Film einzubeziehen.

Info
Stummfilm
Deutschland 1920, 72 min
R Robert Wiene
B Carl Mayer, Hans Janowitz
K Willy Hameister
M Giuseppe Becce, Alfredo Antonini, Timothy Brock, Richard Marriott, Peter Schirmann
D Werner Krauss, Conrad Veidt, Friedrich Fehér, Lil Dagover, Hans Heinrich von Twardowski, Rudolf Lettinger, Henri Peters-Arnolds, Rudolf Klein-Rogge, Hans Lanser-Rudolf, Ludwig Rex, Elsa Wagner