Das Testament des Dr. Mabuse

Mittwoch, 23.04.1958 18:45  ! Köhlersaal
18:45
Das Testament des Dr. Mabuse

Dr. Mabuse lebt geisteskrank in der Nervenklinik des Dr. Baum, der allmählich unter den Einfluß des Verbrechers gerät und ein Doppelleben führt. Eine Welle von Terror setzt das Land in Angst und Schrecken. Die Polizei ist zunächst ratlos; und gerade als die ersten Spuren auf Mabuse hinweisen, stirbt der Verbrecher, ohne daß die Verbrechen aufhören. Jemand scheint mit Feuereifer das Testament des Dr. Mabuse erfüllen zu wollen.

Fritz Langs instinktive Kolportage spielt mit jenen Ängsten vor Wahnsinn, Verbrechen und Terror, die den Bürgern die Hüte von den Köpfen fegen und seine Vision des Überverbrechers, der allein von einem mechanischen Machtwillen angetrieben durch Suggestion und Manipulation einer ihm treu ergebenen Organisation die Welt beherrschen will, galt als prophetische Darstellung Adolf Hitlers, jedenfalls nach der Meinung von Fritz Lang. Der Film wurde gleich nach der Uraufführung 1933 von den Nazis verboten. Bei einem Treffen zwischen Goebbels und Lang zeigt der Minister des RMVP jedoch seine Vorliebe für die früheren Werke Langs: "Metropolis", "M" und die "Nibelungen" und schlägt dem Regisseur vor, Reichsfilmintendant zu werden. Lang: "Aber ich bin doch Jude!" Goebbels: "Wer hier Jude ist, bestimme immer noch ich!" Lang bittet um 24 Stunden Bedenkzeit und verläßt das Land Richtung Frankreich eine Stunde später.

Aus dem Programmheft SoSe 1958:

Nicht die persönliche Bereicherung Einzelner ist das Motiv zu den Verbrechen in Das Testament des Dr. Mabuse (23. April), sondern das Ziel ist die Errichtung der „Herrschaft des Verbrechens". — Mit der erneuten Aufführung dieses letzten Films Fritz Langs in Deutschland erfüllen wir den Wunsch vieler, die diesen Streifen noch nicht sehen konnten, und ebenso vieler, die den Film bereits kennen. Der Film war 1933 kaum fertig geworden, als er auch schon verboten wurde. Über die Gründe sind die Meinungen geteilt. „Fritz Lang hat später in den Vereinigten Staaten erklärt, daß diese Geschichte von einem verrückten Verbrecher, der den Direktor der Anstalt unter seinen Einfluß bringt und seine Bande von der lrrenzelle aus leitet, ,den Hitlerterror, die Parolen und Doktrinen des dritten Reiches’ brandmarke. Tatsächlich verbot Goebbels den „Mabuse" Aber diese späte Interpretation ist anfechtbar. Das Drehbuch stammte von Langs Gattin Theo von Harbou, die damals bereits Mitglied der Nazipartei war. Später ließ sie sich von Lang, der als Nichtarier denunziert wurde, scheiden und wurde eine der einflußreichsten Filmschaffenden des ‘dritten Reiches'" (Georges Sadoul, „Geschichte der Filmkunst").

AR
Info

Deutschland 1932, 110 min
R Fritz Lang
B Thea von Harbou, Fritz Lang
K Fritz Arno Wagner, Karl Vass
M Dr. Hans Erdmann
D Rudolf Klein-Rogge (Dr. Mabuse), Gustav Diessl (Thomas Kent), Theo Lingen (Karetzky), Otto Wernicke (Kriminalkommisar Karl Lohmann)