Fahrraddiebe

Mittwoch, 10.07.1963 21:00  ! Köhlersaal
21:00
Fahrraddiebe

Ist vom französischen poetischen Realismus die Rede, wird Marcel Carnés "Kinder des Olymp" genannt. Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" ist der Inbegriff der russischen ideologischen Montage. Für den italienischen Neorealismus steht Vittorio de Sicas "Ladri di biciclette". Alle drei Filme sind immer im Spiel, wenn es um die besten zehn Filme aller Zeiten geht.

Vittorio de Sica bereitete mit "Fahrraddiebe" vor '53 dem italienischen Neorealismus den Weg. Beinahe dokumentarisch verfilmte de Sica den Konflikt des Arbeitslosen Antonio Ricchi, dem sein Fahrrad und damit seine Existenzgrundlage als Plakatkleber gestohlen wird. Zusammen mit seinem kleinen Sohn durchstreift er Rom, um die Diebe zu stellen. Die Suche Antonios nach seinem Fahrrad bot de Sica die Möglichkeit, eine Fülle von Schauplätzen und Situationen in die Handlung einzubauen, so entstand zwanglos ein breites Panorama italienischer Wirklichkeit nach dem 2. Weltkrieg. Während Rossellinis "Rom - offene Stadt", der zweite große Film aus den Anfangsjahren des italienischen Neorealismus, den Zusammenbruch des Faschismus und die Befreiung Italiens im Stil einer Chronik zeigt, beschreibt de Sica die Verhältnisse anhand eines Einzelschicksals. Die einfache Story genügt der Definition einer klassischen griechischen Tragödie, ihre einfühlsame filmische Umsetzung sorgte damals für Furore und ist heute noch ein anerkanntes Meisterwerk.

AH


Programmheft WS 1994/1995:

Ist vom französischen poetischen Realismus die Rede, wird Marcel Carnés «Kinder des Olymps» genannt.
Eisensteins «Panzerkreuzer Potemkin» ist der Inbegriff der russischen ideologischen Montage. Für den italienischen Neorealismus steht Vittorio de Sicas «Ladri di biciclette». Alle drei Filme sind immer im Spiel, wenn es um die besten zehn Filme aller Zeiten geht. Dem wäre nichts hinzuzufügen, «Fahraddiebe» jedoch eröffnet dieses Semester unsere Film-Reihe, so wie er vor 47 Jahren dem italienischen Neorealismus den Weg bereitete.

Beinahe dokumentarisch verfilmte de Sica den Konflikt des Arbeitslosen Antonio Ricchi, dem sein Fahrrad und damit seine Existenzgrundlage als Plakatkleber gestohlen wird. Zusammen mit seinem kleinen Sohn durchstreift er Rom, um die Diebe zu stellen.

Die Suche Antonios nach seinem Fahrrad bot de Sica die Möglichkeit, eine Fülle von Schauplätzen und Situationen in die Handlung einzubauen, so entstand zwanglos ein breites Panorama italienischer Wirklichkeit nach dem 2. Weltkrieg. Während Rossellinis «Rom - offene Stadt» (der zweite große Film aus den Anfangsjahren des italienischen Neorealismus, der leider heute in Deutschland keinen Verleih mehr hat) den Zusammenbruch des Faschismus und die Befreiung Italiens im Stil einer Chronik zeigt, beschreibt de Sica die Verhältnisse anhand eines Einzelschicksals. Die einfache Story genügt der Definition einer klassischen griechischen Tragödie, ihre einfühlsame filmische Umsetzung sorgte damals für Furore und ist heute noch ein anerkanntes Meisterwerk.

«Lebendige Erzählweise, Sensibilität, menschliche Wärme und eine soziale Aussage ohne Sentimentalität machten den mit Laien an Originalschauplätzen gedrehten Film zum Meisterwerk des italienischen Neorealismus, das das internationale Kino der Soer Jahre nachhaltig beeinflußte.” (rororo-filmlexikon)

AH
Info
Ladri di biciclette
Italien 1948, 93 min
R Vittorio De Sica
B Vittorio De Sica, Cesare Zavattini, Suso Cecchi d'Amico, Luigi Bartolini (Buch), Oreste Biancoli, Adolfo Franci, Gerardo Guerrieri, Gherardo Gherardi
K Carlo Montuori
M Alessandro Cicognini
D Lamberto Maggiorani, Enzo Staiola, Lianella Carell, Gino Saltamerenda, Vittorio Antonucci, Giulio Chiari, Elena Altieri, Carlo Jachino, Michele Sakara, Fausto Guerzoni, Giulio Battiferri, Sergio Leone, Mario Meniconi, Checco Rissone, Peppino Spadaro, Nando Bruno, Eolo Capritti, Memmo Carotenuto, Emma Druetti, Umberto Spadaro