Der Science-Fiction Film der 60er und 70er

Wegen der großen Resonanz auf unsere Science-Fiction-Filmreihe des letzten Semesters wird der Zyklus in diesem Sommer mit einigen für die Zeit der 60er und 70er beispielhaften Filmen fortgesetzt.
Wir veranstalten die Filmreihe in Zusammenarbeit mit dem FB 15/Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, wo parallel zur Filmreihe das fortlaufende Seminar "Die Zukunft des Gestern - Architektur- und Zeitgeschichte im phantastischen und utopischen Film" angeboten wird.

Neben ausgefallenen Plots und z. T. bizarren Ausstattungen bietet gerade das Genre des Scince-Fiction-Films wie kaum ein anderes den sezierenden Blick auf die politisch-kulturelle und psychologische Befindlichkeit unserer Gesellschaft: Denn nur die Autopsie und präzise Beobachtung der jeweiligen Gegenwart ermöglichte es bedeutenden Regisseuren (allen voran Stanley Kubrick, Andrei Tarkovsky und George Lucas), ihrer Zeit die besonders zukunftsträchtigen Aspekte zur Konstruktion ihrer griffigen und fesselnden Visionen abzugewinnen.

Darüber hinaus erreichte das Genre des Science-Fiction-Films mit der Abschaffung des fast fünfzig Jahre gültigen Moralkodexes der amerikanischen Filmindustrie (Hollywood Production Code) im Jahre 1966 eine nie gekannte Variationsbreite: Im Gegensatz zur bunt-grotesken Inszenierung der in den 60er Jahren erfolgreich durchgefochtenen sexuellen Befreiung ("Barbarella") prägten vor allem gesamtgesellschaftliche Krisen wie die drohende Naturzerstörung durch eine weltweit wuchernde Industriegesellschaft ("Silent Running"), Bevölkerungsexplosion, die Verelendung der Metropolen und Ghettoisierung der Armen ("Soylent Green") die filmisch umgesetzten Zukunftsszenarien dieses Jahrzehnts.

Aber auch das beginnende Computerzeitalter warf seine dunklen Schatten voraus: Die Entmündigung des Menschen durch denkende Maschinen sowohl in privater Sphäre ("Demon Seed") als auch auf weltpolitischer Ebene ("Colossus", "Welt am Draht") wurde drastisch in Szene gesetzt. Gleichzeitig thematisierten aufwendig ausgestattete - das zeitgenössische Architektur- und Kunstgeschehen präzis reflektierende - Produktionen die Suche des Menschen nach unbekannten Dimensionen und die Überwindung seiner kulturellen und gesellschaftlichen Grenzen in psychedelisch-rauschhafter Selbstentäußerung ("Solaris", "2001 - Odyssee im Weltraum").

HS

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