Zur Psychologie des Rassenproblems

Professor Dr. K. Sacherl

Die Bedeutung des Rassenproblems für das Funktionieren der modernen Gesellschaft und für das Zusammenleben der Völker liegt offen zutage und braucht nicht eigens hervorgehoben zu werden. Nach dem unerhörten Genozid, den die Nationalsozialisten sich haben zuschulden kommen lassen, hätte man — rational gedacht — erwarten sollen, daß künftig alles darangesetzt würde, rassische Konflikte zu vermeiden oder sie doch wenigstens gewaltlos, also vernünftig, zu bereinigen. Indes belehren uns die Geschehnisse in weiten Teilen der Welt, vornehmlich in den USA, in Südafrika, im Vorderen Orient, aber auch in England und selbst noch in Deutschland, eines anderen.
Es ist dies ein weiterer Beweis dafür, daß die überwiegende Mehrzahl der Menschen unter keinen Umständen dazu zu bringen ist, ihrer Vernunft gemäß zu handeln, sondern daß sie in einem für den Laien unerwartet hohen Grade von Gefühlen, Affekten und atavistischen Trieben und lnstinkten geleitet wird.

Unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Verbrechen, bei deren Begehung sich die damaligen Machthaber wenn auch nicht auf die Billigung, so doch auf die rassische Animosität weiter Kreise der deutschen und österreichischen Bevölkerung berufen konnten, hat sich die psychologische Forschung, insbesondere in den USA unter Führung deutscher Emigranten, intensiv bemüht, den Motiven rassischer Diskriminierung auf die Spur zu kommen.
Die Ergebnisse zeigten, daß überall dort, wo es zur Unterdrückung rassischer (aber auch sonstiger) Minderheiten kommt, primitive Einstellungen am Werke sind, die in Urzeiten der Menschheit zwar einmal gute Dienste geleistet haben mögen, die aber unter den gegebenen modernen Verhältnissen nicht nur absolut sinnlos geworden sind, sondern sich auch ausgesprochen destruktiv auswirken.
Dem Massenmedium des Films kommt bei dem ganzen Fragenkomplex eine außerordentliche Bedeutung zu, und zwar in zweierlei Hinsicht: Einmal ist der Film für die Demagogen jedweder Prägung ein hervorragendes Instrument, den latent vorhandenen Rassenhaß zu schüren und manifest werden zu lassen. Diese Art von Propagandafilm ist deshalb besonders wirkungsvoll, weil die spezifisch filmischen Mittel, wie experimentell längst erwiesen, leicht und widerstandslos gerade zu jenen Persönlichkeitsbereichen Zugang finden, in denen auch die rassischen Aversionen verwurzelt sind. Auf der anderen Seite hat der Film aber auch die Möglichkeit, im humanitären und demokratischen Sinne erzieherisch zu wirken, sei es daß er durch informierende Aufklärung an die Vernunft appelliert, sei es daß er — besser noch — aufgrund seiner Suggestivkraft gleichfalls irrationale, aber der rassischen Diskriminierungstendenz gegenläufige Impulse wachruft und ihnen im innerseelischen Konflikt der Motive zum Übergewicht verhilft.

 

In einer der Sitzungen wird außerdem der Film: "Der ewige Jude" gezeigt.

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