Empirische Untersuchungen über die Wirkung von Filmen

Wird über Filme diskutiert, so steht das Interesse an ihrer Wirkung im Vordergrund. Da jedermann ein Filmzuschauer ist (oder doch sein kann!)‚ da jeder also die Wirkungen am eigenen Leibe erfährt, glaubt jeder auch, er sei in der Lage, über Filmwirkungen Aussagen machen zu können. Das geschieht dann normalerweise entweder nach dem Motto: „So wie ich empfindet jeder!“ oder aber nach dem anderen Motto: „ich selber bin ja relativ immun, aber über die Wirkungen auf andere weiß ich desto besser Bescheid!“ Dabei kann man entweder Behauptungen so aufstellen, wie sie einem gerade in den Kram passen, oder man benutzt eine mehr oder weniger popularisierte Form einer psychologischen Theorie, um seine Behauptungen „wissenschaftlich“ zu untermauern. Kurz und gut: über die Wirkungen von Western- und Gruselfilmen‚ von Kriegs- und Liebesfilmen weiß jeder genau Bescheid; dazu braucht er weder de Filme noch die Zuschauer zu kennen!

Aber nur dann, wenn sowohl die Filme wie die Zuschauer empirisch im Hinblick auf Filmwirkungen untersucht werden, wird man wissenschaftlich haltbare und überprüfbare Aussagen gewinnen können. Dazu gehören bestimmte Verhaltensweisen‚ die heute schon so weit entwickelt sind, daß sie eigentlich jeder Lehrer in der Schule benutzen könnte — wenn er sie nur kennen würde. Und dazu gehören bestimmte Ergebnisse, die sich bei der wissenschaftlichen Untersuchung von Filmwirkungen während der bisherigen Forschungen ergeben haben: Ergebnisse, die im Zeitalter der Massenmedien eigentlich jedem erwachsenen Bürger vertraut sein müßten, zumal sich erhebliche Ähnlichkeiten zwischen den Wirkungen des Films und den Wirkungen des Fernsehens feststellen lassen.

Um mit diesen Untersuchungsmethoden und -ergebnissen vertraut zu machen, werden in dem Seminar die wichtigsten Forschungen, die auf diesem Gebiet seit den dreißiger Jahren unternommen wurden, im einzelnen besprochen werden. Insofern wird es neben der Methodik und den Forschungsergebnissen auch die Geschichte der Filmwirkungsforschung behandeln.

Vorkenntnisse sind für dieses Seminar nicht erforderlich. Vorurteile würden sich als hinderlich erweisen. Aber dazu ist dieses Seminar da: damit an die Stelle von Vorurteilen empirisch erforschte Tatsachen treten.

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