10 Jahre Schwulengruppe Darmstadt

Schwules Sommer-Filmfestival an der TH

Es sind keine guten Zeiten für Minderheiten.
Ob Ausländer, Sozialhilfeempfänger oder Homosexuelle:
Die Tendenz ist unverkennbar, die sogenannten "Randgruppen" als solche wieder stärker kenntlich machen - Ausgrenzung statt Integration.

Speziell bei den Schwulen ist ein deutlicher Stimmungswandel festzustellen: Die euphorische Aufbruchstimmung, welche Anfang der 70er Jahre dazu führte, daß immer mehr Homosexuelle "raus aus den Toiletten und rein in die Straßen" (Aufruf aus einem Praunheim-Film) traten, ist einer gewissen Ernüchterung und einem neuen Rückzug in das Private gewichen.

Der Grund dafür liegt natürlich zu einem guten Teil in der massivsten Bedrohung, der die Schwulen in ihrer Gesamtheit seit Auschwitz aus gesetzt sind: AIDS! Daß die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit, das Engagement in Selbsthilfegruppen wichtiger - ja sogar lebenswichtiger - Bestandteil schwuler Identität geworden ist, soll durch den zweiten Film dokumentiert werden.

Aber schwules Sein, Schwulsein ist eben nicht nur die auseinandersetzung mit AIDS. Es ist genauso vielfältig wie die menschliche Existenz überhaupt, aber es zeichnet sich auch durch Besonderheiten aus: Schwulsein bedeutet oft eine Gratwanderung (etwa zwischen Offenheit nach außen und Rückzug nach innen), es kann auch heißen, daß man Grenzen überschreitet. Der Film "Westler", der den Schlußpunkt unserer kleinen Filmreihe setzen soll, ist vor diesem Hintergrund auch als Metapher zu verstehen.

Wir hoffen, daß neben der Unterhaltung auch Eines deutlich wird: Die Zeiten sind zwar schwieriger als vor 10 oder 15 Jahren - zur Resignation besteht aber kein Anlaß. Denn die Schwulen bleiben präsent - wenn auch vielleicht nicht so zahlreich und so aufregend wie früher.

HINWEIS:  
Die Schwulengruppe- Darmstadt, deren 10jähriges Bestehen Anlaß dieser kleinen Filmreihe ist, trifft sich jeden Dienstag um 21 Uhr im Schloßkeller im Nebenraum.