Secretary

Fessle mich

Mittwoch, 16.6.2004 20:15  ! Programmkino Rex
0:00 Secretary

Lee, Anfang 20 und kürzlich aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen, wo sie sich mit aufgeschnittenen Pulsadern hineinkatapultiert hat, bekommt einen Job als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei. Schon bald entwickelt sich zwischen ihr und ihrem überaus korrekten Chef eine etwas ungewöhnliche Beziehung. Denn hinter dem adretten Anwalt Edward verbirgt sich ein introvertierter und kontrollsüchtiger Freak, der Lees Vorliebe für Selbstverstümmelung extrem zu schätzen lernt. Lee, zunächst erstaunt darüber, in Edward ihren Gegenpart gefunden zu haben, unterwirft sich ihm mit selbstzerstörerischer Hingabe. Nach und nach wird aus der unscheinbaren grauen Büromaus eine Vollblut-Masochistin.

Die beiden ergänzen sich in ihrer Vorliebe (der eine zu quälen, die andere gequält zu werden) so gut, dass es Edward irgendwann zu heikel wird. Kurzerhand wirft er Lee raus. Doch so überaus gehorsam sich seine Schreibkraft ihm gegenüber bis jetzt gezeigt hatte, so hat er ihre autodestruktive Sturheit ein wenig unterschätzt.

Sicherlich ist dieser Film nicht jedermanns Sache und die Erwartungen bezüglich provozierender Bilder werden nicht enttäuscht. Doch schon bald sind es nicht die gewalttätigen Spielchen der beiden die faszinieren, sondern die sich langsam und vorsichtig entwickelnde Zuneigung füreinander. Shainbergs Charaktere sind glaubwürdig, sie verstehen es den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und den ganzen Film über zu fesseln. Ein Glanzlicht des Films ist Maggie Gyllenhaal, die in der Rolle der lebenshungrigen Lee mit ihrer einzigartigen Darstellung mehr als einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Nicht zu unrecht wurde der Film 2001 beim Sundance Filmfestival mit dem Preis für "besondere Originalität" ausgezeichnet. Secretary ist eine Tragödie über die Obsession, es ist eine Studie über ungewöhnliche sexuelle Vorlieben, es ist eine Komödie über zwei Außenseiter, doch in erster Linie ist es ein Film über die Liebe. Und das auf eine so besondere, ergreifende und gleichzeitig amüsante Art, daß man dem Film sogar ein Happy End verzeiht.

MI

CZ