Russian Ark

Mittwoch, 23.6.2004 20:15  ! Programmkino Rex
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Seit der Gründung St. Petersburgs vor 300 Jahren ist die Eremitage der Fokus historischer Ereignisse die nicht nur für die russische sondern oft auch die europäische Geschichte wichtig waren. In der kommunistischen Zeit des 20 Jh. wurde ausgerechnet das ursprüngliche Winterpalais Peters des Großen mit seinen weltberühmten Kunstsammlungen zum Refugium kultureller und nationaler Erinnerungsträger aus der feudal-zaristischen Epoche. Ihre Erhaltung und Pflege bis zum heutigen Tag ermöglichte ein bisher einmaliges filmisches Unterfangen: einen übergangslosen Wandel durch Räume, Zeiten und Kontexte.

Mit einer immensen logistischen, artistischen und fast sportlichen Leistung des fast 1500 köpfigen Ensembles und der Crew gelingt es dem Film, ohne einen einzigen Schnitt vom (deutschen) Kameramann eingefangen, der Figur eines (französischen) Diplomaten durch alle Säle und dabei auch die unterschiedlichsten Episoden ihrer 300-jährigen Geschichte zu folgen. Der ausländischen Perspektive des Marquis, der in seinen Begegnungen mit all den historischen Persönlichkeiten und seinen Kommentaren der Ereignisse manchmal etwas snobistische Töne anschlägt, tritt zuweilen der mitfühlende Offkommentar des (russischen) Regisseurs zur Seite, oder auch entgegen. Dabei wird eben nicht nur die ganze Pracht des Ortes in seiner Architektur, Kunstsammlung, der Perfektion und Authentizität der Kostüme wie auch der tänzerischen Eleganz der Darsteller präsentiert, sondern auch ein einsichtsvoller Dialog über politische, kulturelle und zeitliche Grenzen hinweg geführt, der den ästhetisch berauschenden Film zu weit mehr als nur einem spektakulären Museumsbesuch macht.

"Ein ungeheuerliches, opulentes filmisches Erlebnis." (Chicago Times)

" ... das, was Hitchcock und Altman mit traditioneller Kameratechnik nicht schafften: 90 Minuten in einer einzigen Einstellung." (filmdienst)

"Sokurow geht aber einen entscheidenden Schritt weiter und erhebt in einem Film ohne Schnitt Zeitsprünge zum dramaturgischen Konzept ..." (Schnitt)

"Sokurows insistierendes Interesse für die in die Dinge eingeschriebenen Spuren der Zeit, für assoziative Imaginationen der unsichtbaren Innenperspektive kommt durchaus auch zeitgenössischen Interessen entgegen; ... " (filmdienst)

"Ein Film wie ein Traum." (Herald Tribune)

MS