Missing Allen

Mittwoch, 5.1.2005 20:15  ! Programmkino Rex
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Christian Bauer war schon an der Produktion von 28 dokumentarischen Berichten, Filmen oder Serien, zu einem großen Teil für das deutsche Fernsehen beteiligt gewesen, bevor er mit diesem nach eigenem Bekunden seinem letzten Projekt begann. Er hatte 7 der 28 Arbeiten zusammen mit dem amerikanischen Kameramann und Regisseur Allen Ross angefertigt, den er 1988 bei der Arbeit an einer Doku über dessen Heimatstadt Chicago kennen gelernt hatte, bevor dieser am 16 Oktober 1995, mitten in den Arbeiten an einer Mississipi-Doku für einen deutschen Sender spurlos verschwand.

Die Ermittlungen der lokalen Behörden und eine Durchsuchung seines Hauses in Wyoming verliefen unwillig und ergebnislos, was zur baldigen, inoffiziellen, Einstellung weiterer Bemühungen führte. Bis sich Bauer fünf Jahre später und mit einem Filmteam im Schlepptau daran machte, die Angelegenheit auf privatem Wege und zum Teil aus eigener Tasche finanziert, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dieser Film ist ein Dokument dieser Suche nach einem Freund und Kollegen und der erschreckenden und teilweise weitreichenden Ergebnisse, die sie ans Licht brachte.

Er zeigt menschliche Verbundenheit ebenso wie auch Undurchschaubarkeit und Abgründigkeit; daß religiöser Fanatismus nicht nur außerhalb der USA existiert und zu welcher behördlichen Ignoranz seine Verstrickungen mit der Politik führen können.

Vor allem aber, ist es schon vor Michael Moores großen Erfolgen ein gelungenes Beispiel, wie man einen Dokumentarfilm mit investigativen Ambitionen verwirklichen kann. ohne populistisch zu werden und wie ein Dokumentarfilmer zum Protagonisten seiner Arbeit werden kann, ohne in Selbstdarstellung abzugleiten.

Christian Bauer sagte, daß dies seine letzte Arbeit bleiben würde, denn alles andere wäre ein Rückschritt. Er hat sich bisher daran gehalten.

MS