Sieben Brüder

Mittwoch, 2.2.2005 20:15  ! Programmkino Rex
0:00 Sieben Brüder

Jean-Jaques Annaud hatte zwei auf der Leinwand. Wir haben gleich sieben, nicht Zwerge, nicht Tiger, Brüder. Geboren zwischen 1929 und 1945 in Mühlheim an der Ruhr, bekam jeder von ihnen allein im Studio einen ganzen Tag Zeit zu sagen, was er für wichtig hielt. Kein Interview, keine Zwischenfragen, nur durch den Schnitt ergeben sich wie von allein Themen und Geschichten. Und so erzählen sie einzeln jeder für sich und doch in einem vielstimmigen Chor vereint von ihren bewegten durchaus ungleichen Leben in einer großen Familie durch turbulente Zeiten hindurch und als Zuhörer kommt man mit dem Staunen nicht nach, was für Kronleuchter an weiteren persönlichen wie allgemeinen Bezügen einem dabei aufgehen. Wenn der Film zu Ende geht, ist es erstens kaum zu glauben, daß das schon eineinhalb Stunden gewesen sein sollen und zweitens, daß diesen Effekt ein Dokumentarfilm ausgelöst hat, der in extremer Reduktion auf beinahe alle verfügbaren filmischen Erzählweisen verzichtet hat und damit den Beweis angetreten hat, daß - ein substanzhaltiges Thema vorausgesetzt - es gerade beim Dokumentarfilm mehr auf die richtige Anwendung der gewählten Mittel ankommt, als auf ihre bloße Zahl und Vielfalt.

„Obwohl oder gerade weil die Biographien der sieben Brüder denen ungezählter Zeitgenossen ähneln, ist Winkels ein spannender Blick in ein – durchaus ungewöhnliches – familiäres Universum gelungen, ...“ (epd film)

„Man sieht die freigesetzte Kraft der Erinnerung in den Gesichtern, bekommt mit, wenn um eine bestimmte Version der Familiengeschichte gerungen wird, ...“ (filmdienst)

„Diese Leistung kann man angesichts der sensations- und skandalgierigen Talkshows nicht hoch genug einschätzen.“ (epd film)

„Das Resultat geht weit über eine spannende Rekonstruktion von spezifischer Familiengeschichte hinaus, ...“ (filmdienst)

„... und obwohl die Beobachtungen und Schilderungen auf eine höchst subjektive Art erfolgen, offenbart sich in ihnen ein universeller Charakter von allgemeinem Interesse.“ (Schnitt)

„... ein faszinierendes Stück Mentalitäts- und Alltagsgeschichte.“ (epd film)

„Gegen die beliebige und zerstreute Bilderflut aus dem Archiv setzt Winkels wohltuend und produktiv auf die Stille und Dunkelheit des eigens für den Film geschaffenen Gesprächsraums.“ (filmdienst)

„Zudem ist dieses soziologische Experiment nicht nur spannend und unterhaltsam, sonndern auch ein überfälliger Kontrapunkt zur gegenwärtig grassierenden Nostalgie-Welle, die Geschichte allein nach Maßgaben von Popkultur und Plotpoint- und Identifikationsdramaturgie umkodiert.“ (filmdienst)

MS