Romeo i Dzhulyetta

Mittwoch, 4.12.1957 18:30  ! Köhlersaal
18:00 Romeo i Dzhulyetta

Programmheft WS 1957/1958:

Wir zeigen diesen 1955 in Cannes mit dem 1. Preis ausgezeichneten russischen farbigen Ballettfilm nicht nur, weil seine Handlung dem Shakespeareschen Drama entnommen wurde, sondern auch weil man hier den Versuch unternommen hat, etwas mit den technischen Mitteln des Filmes wiederzugeben, was man sonst nur auf der Bühne erlebt, nämlich ein musikalisches Drama dargestellt durch das Ballet.

Wie weit dieser Versuch als gelungen bezeichnet werden kann, darüber gehen die Meinungen der Kritiker auseinander, wie die folgende Gegenüberstellung von Auszügen der katholischen und der evangelischen Filmkritiken zeigt.

Filmdienst: Wenn wir dieses Werk mit dem Ruf vergleichen, der ihm vorausgeht‚ stellt sich Enttäuschung ein.

Die Choreographie des Films ist ohne besondere Phantasie, ohne den poetischen Dutt, der diesem Stoff zukommt. Dieses Manko an Poesie, an Zwischentönen wird zu einem gewissen Grad ersetzt durch Tempo, Folklore-Elemente, Bewegtheit — doch wirken diese Elemente als Ersatz.
Allgemein muß gesagt werden, daß die Choreographen durchaus nicht auf der Höhe der Tänzer und Ballerinen sind. Ohne ideologischen Beigeschmack, bedeutend in der Tanzkunst, aber szenisch und ausstattungsmäßig im Stil der Jahrhundertwende stecken geblieben.

Evangelischer Filmbeobachter; Hier können gar viele Stümper lernen, wie ein musikalisches Drama durch die technischen Mittel des Films im Wert nicht nur gemindert, sondern sogar erhöht werden.

Die einmalige Ulanowa vermag zwar nicht, die Illusion zu vermitteln, daß man es mit einer 14-jährigen Veroneserin zu tun habe, sie bleibt aber auch hier Inbegriff des Tänzerischen. Dazu die Übrigen großartigen Solotänzer, dazu die Leistungen des brillanten Corps de Ballett der Moskauer großen Oper nach einer kaum mehr zu überbietenden Choreographie.

Ein wundervolles Denkmal einer großen Liebe, erbaut aus Tanz, Mimik, Musik, Farben und Film.