Umberto D.

Mittwoch, 10.12.1958 18:45  ! Köhlersaal
18:45 Umberto D.

Programmheft WS 1958/1959:

Dieser Film ist der letzte und wohl auch mutigste und vollendetste der Tetralogie, deren erster Schuschia war, mit welchem de Sica und Zavattini einen Welterfolg errangen, mit deren zweiten, Fahrraddiebe, sie ihren formal perfektesten Film realisierten, in deren dritten, dem Wunder von Mailand, sie mit neuen Erkenntnissen die alte Kunst des Illusionierens demonstrierten. Auch hier bringt de Sica Laienspieler vor die Kamera. Ein echter Universitätsprofessor spielt den alten Rentner Umberto Domenico Ferraris, der niemandem mehr nützt, mit seinem Geld nicht mehr auskommt und deshalb sein Leben fortwerfen möchte. Als er sich gemeinsam mit seinem geliebten Hund vor einen Zug werfen will, reißt sich das Tier in letzter Sekunde los und wendet sich entsetzt von seinem Herrn ab. In dem eifrigen Bemühen seinen besten Kameraden wieder zu versöhnen, findet der Mann wieder etwas Hoffnung und Trost zum Weiterleben.

Aus dieser Geschichte wird keine flammende Anklage gegen soziale Ungerechtigkeit gemacht, sondern durch einen leisen und herzlichen Humor entstand eine echte menschliche Tragödie ohne Bitterkeit und Verbitterung. Es ist „ein Film der leisen Menschlichkeit, der Herzensgüte und des seelischen Taktes.” Und wenn „Kunst geformter Ausdruck gültigen menschlichen Erleben ist”, dann ist dieser Film ein Kunstwerk.