Mr. Deeds geht in die Stadt

Mittwoch, 10.2.1965 21:00  ! Köhlersaal
21:00 Mr. Deeds geht in die Stadt

Programmheft WS 1964/1965:

Mr. Deeds hat ein Millionenvermögen geerbt. Daraufhin versuchen raffinierte Anwälte in New York, die Verwaltung seines Vermögens übertragen zu bekommen. Er wehrt sich jedoch dagegen in den Mechanismus des »Big Business« zu geraten und gründet statt dessen mit seinem Vermögen eine Hilfsorganisation, die verarmten Farmern helfen soll.
Die Anwälte wollen ihn nun entmündigen lassen, dringen vor Gericht aber damit nicht durch.

Der Film scheint von seinem lnhalt her gesehen ein Thesenfilm des »guten WiIIens« zu sein. Wäre er dies, so würde er heute so veraltet sein wie alle Thesenfilme. Indessen sind die Figuren des Films, so deutlich jede von ihnen von der Wirklichkeit angeregt ist, in eine besondere Wirklichkeit von autonomer künstlerischer Erfindung verwandelt. »Fantasies of Goodwill« nannte der amerikanische Filmkritiker und Filmhistoriker Richard Griffith die Capra-Filme. »Fantasien« sind sie in der Tat nicht nur durch ihre Fabel und ihren naiven Glauben an das Happy-End. Wie im Märchen konstituiert der Tod der Erzählung von vornherein eine Welt mit eigenen Gesetzen, nach denen das Gute allemal siegen muß. Was die Naivität in »Mr. Deeds« künstlerisch legitimiert ist ein Stil, der gleichermaßen in den Personen, wie in der optischen Realisierung konkretisiert ist. »Die Richter und die beiden alten Damen aus Mane... sind mehr wie Capra-Charaktere denn wie Amerikaner«‚ beobachtete nach der Premiere des Films der Kritiker Alistair Cooke. So unrealistisch wie die Personen, die jeder psychologischen Differenzierung ermangeln, ist die Photographie. Jedes Bild hat die Brillanz eines Hochglanzphotos. Die raschen Schwenks und Fahrten, die knappen Einstellungen, sie konzentrieren sich stets ganz auf die Personen, nie wird der Kamera gestattet auf einen Gegenstand auszuweichen, der nicht unmittelbaren Bezug zur Fabel hätte. Das heißt: Die Fabel wird nicht aus der Wirklichkeit entwickelt, sondern es wird um die Fabel eine souveräne künstlerische Wirklichkeit aufgebaut.