Wenn die Kraniche ziehen

Mittwoch, 27.4.1966 21:00  ! Köhlersaal
21:00 Wenn die Kraniche ziehen

Programmheft SoSe 1966:

Der Film erzählt die Geschichte des Mädchens Veronika, dessen Verlobter sich bei Kriegsausbruch freiwillig zur Front meldet. Ihre Eltern werden bei einem Bombenangriff getötet. Aus Einsamkeit und Verzweiflung — denn von ihrem Verlobten, der in einem Kessel eingeschlossen ist, kommen keine Briefe — gibt sie schließlich dem Werben eines Vetters nach, der sich von der Einberufung »zurückstellen« ließ. Doch ihr Gewissen veranlaßt sie, sich von ihrem Vetter wieder zu trennen. Eines Tages bringt ihr ein Kamerad die Nachricht vom Tod ihres Verlobten.
Trotzdem hegt sie noch eine unbestimmte Hoffnung, er möchte zurückkommen; erst beim triumphalen Heimkehrerempfang wird ihr klar, welchen Verlust sie erlitten hat; sie verteilt die Blumen, die sie für ihren Verlobten mitbrachte, an andere Rotarmisten.

Die »Kraniche« bieten kein Beispiel »heldischen« Verhaltens, sondern zeichnen eher einen Fall von Charakterschwäche, den Fall eines Menschen, der falsch handelte, dem ein bitterer Stachel in der Brust sitzt. Insbesondere verschließt er die Augen nicht vor der Widersprüchlichkeit von Liebe und Pflicht. Zur künstlerischen Leistung wird dieser Film durch das Fehlen jeder Nuance von Künstlichkeit, der formalen Verkrampfung, des Brillierenwollens um jeden Preis. Es gibt trotzdem in den »Kranichen« kaum eine Kameraeinstellung, die nicht »Komposition« erkennen ließe; daneben finden sich ingeniöse Methoden, Schnitt, Montage, Doppelbelichtung, auffallende Kameraperspektiven und Beleuchtungseffekte zu verwenden. Die Charakterzeichnung der Personen ist nicht zuletzt auch das Verdienst der hervorragenden Kameraführung.

Takt und Virtuosität der Regie und der Kamera sind auf einen so hohen Punkt vorangetrieben, daß dieser Film, Glanzstück der sowjetischen Nachkriegsproduktion, immer wieder das Erstaunen westlicher Kritiker auslöst.