Willkommen, Mr. Chance

Donnerstag, 7.4.1983 21:00  ! Audimax
21:00 Willkommen, Mr. Chance

Programmheft SoSe 87:

Schon mit seinem Debutfilm THE LANDLORD zeigte Ashby seine Entschlossenheit, mit forschem Sarkasmus in die Fettnäpfchen der USA zu treten. Da geht es um Rassenprobleme, Militarismus, Korruption, inhumane Besitzverteilung, Getto-Bildungen, um die Übermacht des Matriachats und neurotisch gewordene Söhne. In Deutschland wurde man auf Hal Ashby aufmerksam durch den Überraschungserfolg von HAROLD AND MAUDE, der ganz und garnicht in die kommerzielle Kinolandschaft zu passen schien. Aber in kleineren Häusern gut untergebracht, wurde er ein sensationeller Kultfilm-Erfolg. Hal Ashbys Geschichten sind zum größten Teil weit von dem entfernt, was heute im internationalen Kino gängig ist. Seine Figuren, von 18-jährigen Harold bis hin zum Gärtner Chance, sind mit Vorliebe alle Neurotiker, und Ashby geizt nicht mit Hinweisen auf die Enstehung dieser Neurosen.

WILLKOMMEN MR. CHANCE ist eine reizvolle Satire auf die Leere in den Köpfen der Menschen des Fernseh-Zeitalters. Chance (glänzend gespielt von Peter Sellers) denkt nur auf dem Niveau des Fernsehens und macht gerade deshalb Karriere.  
Zufallsprodukt unbekannter Eltern, wurde Chance von einem steinreichen alten Herrn aufgenommen und zum Gärtner gemacht. Sein ganzes Leben hatte er nie Kontakt zu Menschen und verbrachte sein Leben vor dem Fernseher und im Garten.
Nach dem Tod des Gönners muß er das Haus verlassen und trifft auf wirkliche Menschen, zu denen er sich stes verhält, wie es ihn die Tele-Menschen lehrten. So muß er erfahren, daß sich eine Jugendbande, die ihn bedroht, nicht mit der Fernbedienung abschalten läßt.
Aufgrund eines kleinen Verkehrsunfalls wird er in das Haus eines anderen steinreichen alten Herrns verbracht. Dort erregt er schnell Aufsehen durch seine Äußerungen, die sich ausschließlich auf das Wachsen der Pflanzen beziehen.
Schnell hat er das Wohlwollen des Hausherrn und die Liebe der Gattin gewonnen. Als der Präsident den sterbenden Reichen besucht, wird auch er angesteckt: er hält Chance für einen Weisen und zitiert in seiner nächsten Rede dessen vegetabilischen Orakelworte. Und weil man wissen will, wer dieser Chance ist, und man nichts erfährt, steigt seine Popularität ins Unermeßliche. Das Fernsehen, die Presse, die Geheimdienste und die Frauen interessieren sich für Chance. Obwohl er eigentlich gar nichts sagt, wird das, was er so simpel äußert, für bedeutend gehalten.