El Mariachi

Donnerstag, 30.3.1995 20:00 Audimax
20:00 El Mariachi

Programmheft Ferien 1995:

Der junge Mann im Film trägt schwarze Kleider und ist ein Mariachi, ein fahrender Sänger und Gitarrenspieler, der im Provinzstädtchen Acuna aber auf Ablehnung stößt: entweder haben elektronisch hochgerüstete Ein-Mann-Bands das Kommando übernommen, oder den Barbesitzern fehlt es schlicht an Geld, um einen Mariachi bezahlen zu können. Und es kommt schlimmer. Ein zweiter Mann mit Gitarrenkoffer und schwarzer Kleidung macht Acuna zur gleichen Zeit seine Aufwartung: Azul. Der ist kein Musiker, sondern ein aus dem Gefängnis geflohener gnadenloser Killer auf dem Rachefeldzug gegen seinen ehemaligen Komplizen Moco, der die kleine Stadt von seiner Farm aus kontrolliert, und hat den Gitarrenkoffer voller Schußwaffen. Natürlich wird der Mariachi mit dem Killer verwechselt, und bald hat der ahnungslose Musiker vier Handlanger Mocos auf dem Gewissen. Als Retterin in der Not erweist sich Domino, eine geheimnisvolle Barbesitzerin. Doch dann wird sie entführt...

Der junge Mann in der Realität heißt Robert Rodriquez, begann als 13jähriger, home movies zu machen, auf Video und Super-8, diente als 23jähriger einen Monat lang als „Versuchskaninchen“ im Forschungslabor einer Universität und bekam so die benötigten 3000 Dollar Startkapital für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm, dessen Drehbuch er in dieser Zeit schrieb. Die Dreharbeiten fanden im mexikanischen Acuna statt, wo Hauptdarsteller und Coproduzent Carlos Callardo wohnte, deshalb konnte man die mittäglichen Lunchpausen im Haus von dessen Mutter verbringen. In 14 Tagen im Drehverhältnis 1:1 auf 16mm mit Laiendarstellern gedreht, wurden Kamerafahrten mittels eines Rollstuhls simuliert und der Ton nachträglich aufgenommen. 2.329 Dollar für Filmmaterial, 1.323 Dollar für dessen Entwicklung, 127 Dollar für Lampen (die Kamera war kostenlos entliehen, mußte aber vier Tage vor dem ursprünglich geplanten Drehende zurückgegeben werden), 225 Dollar Schauspielergagen und 2.824 Dollar für die Post-Production: Der Film kam in die Kinos, spielte über das tausendfache der Kosten ein, Columbia Pictures gab ihm einen Zwei-Jahres-Vertrag und sechs Millionen Dollar für ein englischsprachiges Hollywood-Remake von „El Mariachi”: Wir zeigen natürlich das Original, von 16 auf 35 mm aufgeblasen, im spanischen Original mit deutschen Untertiteln: Ein schräger, witziger, eigenwilliger Film - die Neuauflage wird kaum besser sein können.

„Der Film kommt daher wie ein wüster Comic-Strip. Viel, viel Action und ein Schuß Romantik und Melodramatik. ... Rodriguez offenbart ein beträchtliches erzählerisches Talent und viel Gespür für Action und Timing.” (filmdienst)